Pausentraum

Im Herbst 2000 - kurz nach dem Umzug der Kinder des Vorschulteils und der Untergruppen in das Schulgebäude an der Tatzendpromenade – wurde die Idee vom „Pausentraum“ geboren. Nach einem ersten Blick auf das Außengelände der neuen Schule war klar: die Asphaltwüste auf unserem „neuen“ Schulgelände schreit nach Leben, grünem Hauch von Dschungel, wildem Tummelplatz für große und kleine Lebewesen, lauschigen Plätzen, versteckten Buden, nach wirklich allem, was des Menschen Herz und Hirn bedarf, um sich in seiner Schule heimisch zu fühlen, hier lernen, spielen, arbeiten und leben zu können.

Eltern und Kollegen begannen mit der Suche nach kompetenten Begleitern, hoffnungmachenden Beispielen, Anregungen, trostspendenden Informationen, wie man ein solch riesiges Projekt, was Kräfte und Gelder anbelangt, neben dem alltäglichen Schulbetrieb verwirklichen kann. Fündig wurden sie z.B. bei der Berliner Initiative „Grün macht Schule“ sowie Projekten des Erfurter Sozialministeriums.

Ein erster Informationsabend im Frühjahr 2001 machte Mut: Leute vom Fach, Mitarbeiterinnen des Landeswerk der AWO Thüringen und der Planwerkstadt Erfurt, berichtete in Wort und Bild von ihren Erfahrungen bei der Umgestaltung von Schulhöfen.

Der Arbeitskreis „Pausentraum“, bestehend aus Eltern, Lehrern, Erziehern, der Schulsozialpädagogin, fand sich zusammen und traf sich von nun an regelmäßig.
Was wünschten sich Kindergartenkinder, Schüler vom Schulanfänger bis zum Abiturienten, Eltern und Kollegen?

Durch einen Aufruf der Schulsozialpädagogin angeregt, wurden in allen Stammgruppen Wünsche und Ideen gesammelt. Mittelgruppenschüler/innen (4.-6. Jahrgang) bauten in Kleingruppenarbeit aus verschiedensten Materialien Modelle vom Traum ihres zukünftigen Schulhofes. Die Pausenträumer diskutierten über eine sinnvolle, den Bedürfnissen und der Aufsichtspflicht genügende Nutzung der verschiedenen Schulhofbereiche. Der große Schulhof hinter dem Schulgebäude sollte für die Jüngeren, der zweite Hof vor der Turnhalle den Obergruppen als Pausenbereich dienen.

Zum Ende des Schuljahres 2001/02 informierten der Arbeitskreis Pausentraum und die Schüler an beiden Schulstandorten in einer Ausstellung über den derzeitigen Arbeitsstand. Verschiedene Pläne zeigten die Aufgliederung der Flächen in Funktionsbereiche sowie daraus resultierende Gestaltungsmöglichkeiten. Ein Modell veranschaulichte die Geländemodellierung und die optische Wirkung des Amphitheaters.

Auf dem neuen Schulhof konnte seit den gemeinsamen Pflanzaktionen von Eltern, Erzieher/innen und Kinder im Herbst 2000 und 2001 das Wachsen einer Sichtschutzhecke entlang des Zaunes zum angrenzenden Parkplatz beobachtet werden.

Der Arbeitskreis Pausentraum sammelte inzwischen Informationen und Genehmigungen verschiedenster Ämter (u.a. bei Feuerwehr, Tiefbau-, Umwelt-, Naturschutz-, Garten- und Friedhofsamt), ließ Lärmmessungen durchführen, den Zustand der vorhandenen Bäume sowie des alten Schuppens begutachten und versuchte Geldquellen aufzutun.

Alle Ämter der Stadt Jena zeigten sich unserem Vorhaben gegenüber sehr offen. Nach einem Vor-Ort-Termin mit dem Amt für Schule und Sport wurde im Dezember 2001 der offizielle Antrag zur Umgestaltung des Außengeländes der Schule gestellt.

Im September 2002 – nach dem Umzug der Mittel- und Obergruppen ins „neue“ Schulgebäude bewältigt war - wurde die „Planwerkstadt Erfurt“, nach einer offiziellen Ausschreibung durch die KIJ, die Kommunale Immobilien Jena, mit der professionellen Planung der beiden Schulhöfe beauftragt.

Hortkinder von „Radio Pausentraum“ flitzten durchs Haus, um nochmals die Wünsche
von Kindern und Jugendlichen, Mitarbeitern und Eltern zu dokumentieren.

Frau Wiesel, die Landschaftsarchitektin der „Planwerkstatt Erfurt“ ordnete mit geübter Hand in schwungvollen Zeichnungen die Gedanken, Wünsche und Anfragen aller kleinen und großen Pausenträumer und bekam eine Ahnung wie langwierig entschlussarbeitende und wie erfolgreich entschlussfassende Arbeit im Pausentraumteam sein kann.
In den zukünftigen Spiel- und Aufenthaltsbereichen der Jüngeren fanden sich die Vorstellungen der Kinder wieder: ein System unterirdischer Gänge, Baumhäuser, Schaukeln, Rutschen, Sandspiel- und Matschbereich, Pflasterfläche mit Tischtennisplatten, „Rennstrecke“ für den Kinderfuhrpark, grünes Klassenzimmer sowie Amphitheater für Theateraufführungen, Chor- und Orchesterkonzerte.

Die Obergruppenschüler/innen wünschten sich auf dem Schulhof hinter der Turnhalle vor allem einen neugestalteten Bolzplatz und genügend Freiraum zur Verwirklichung eigener Vorstellungen.

Im Frühjahr 2003 konnte die neue Ballspielfläche – u.a. finanziert mit Geldern aus dem Niveauausgleich Horte - als erstes fertiggebautes Objekt übergeben werden. „Radio Pausentraum“ berichtete in der „Bolzplatzreportage“ interessante Details vom Baugeschehen.

Die Schüler-/innen der Chinchillagruppe überlegten, diskutierten, planten schließlich, wie der an den Bolzplatz angrenzende Schulhofbereich aussehen könnte und entwickelten daraus ihr Schuljahresanfangsprojekt, welches u.a. aus Mitteln der Schulsozialarbeit und der Schuljugendarbeit der Stadt Jena finanziert werden konnte.
In den Sommerferien sammelten sie Gegenstände, die sie als ganz „persönliche Wahrzeichen“ im Projekt verarbeiten wollten, um später an schöne Urlaubserlebnisse erinnert zu werden. Nach der ersten Schulwoche im August 2003 mit Schaufeln, Spitzhacken, Sägen und Hämmern, Steinen, Zementsäcken, Schnitzwerkzeugen entstanden zwei Sitzmauern, ein begehbares Schachbrett mit Steinmosaik- und Metallflächen samt großen selbstgeschnitzten Eichenholzfiguren, ein Weidenzaun und eine hüttenähnliche Metallkonstruktion, die im nächsten Jahr begrünt, ein lauschiges zum Schwatzen einladendes Plätzchen werden sollte.

Frau Wiesel, professionell alle entscheidenden Fäden in ihrer Baubetreuungshand bündelnd, wies die „Pausenträumer“ darauf hin, dass es nun an der Zeit sei, sich um die geplanten noch gestaltlosen künstlerischen Einzelobjekte Gedanken zu machen. Die Schulsozialpädagogin rief zum erneuten Ideenwettbewerb auf. Schüler/innen zweier Obergruppen beteiligten sich, zeichneten, entwarfen und bauten in kleinen Modellen nochmals ihre Träume vom „idealen Pausenhof“.

Inzwischen konnte die Firma „ Künstlerische Holzgestaltung Jürgen Bergmann“ von der Kulturinsel Einsiedel für die Ausführung dieser Objekte gewonnen werden.
Herr Bergmann erhielt einen dicken Brief mit den gesammelten Schülerideen, war begeistert und reiste im Dezember 2003 zum Kinderpausentraum nach Jena. Zu den Zeugnisausgaben im Februar 2004 konnten die Bergmann- Modelle im Schulhaus bestaunt werden.

In einem weiteren Gespräch mit der Firma regten Eltern und Schüler einige Veränderungen an den Modellen an.
Hortkinder der Kunst AG entwickelten ein Farbkonzept für den „Vulkantrichter“ und die anderen Spielbereiche.

Während Mitarbeiter der ÜAG, der Überbetrieblichen Berufs- und Arbeitsförderungsgesellschaft Jena, in mühevoller Handarbeit die Asphaltflächen im Kronentraufbereich der Bäume entsiegelten, zauberte Herr Bieler, ein Pausentraum-Vater, in Eigenleistung einen neuen Schuppen auf ´s Papier, der die Herzen aller Nutzer aus dem Kindergarten- und Hortbereich höher schlagen ließ.

Ende Mai 2004 – nach erfolgreicher Trockenlegung des hofseitigen Kellerbereichs der Schule - begann die langersehnte Bauphase auf dem Sonnenhof.

Der bisherige Spielbereich für die jüngeren Kinder wurde herausfordernd kleiner. Als ständige Zaungäste beobachteten sie genau, was auf der Baustelle passierte, wie der alte Schuppen weggerissen wurde, sich der Hof veränderte. Kinder vom „Radio Pausentraum“ wollten alles genauer wissen und interviewten die Bauarbeiter ein erstes Mal.

In wöchentlichen Bauberatungen mit KIJ als Auftraggeber, Planwerkstadt als Planer und Baubetreuer, ausführenden Baufirmen und einer Vertreterin des Arbeitskreises Pausentraum konnten gemeinsame Absprachen getroffen werden damit Bau- und Schulbetrieb nebeneinander gut funktionieren konnten.

Während der Sommerferien 2004 war der gesamte Hof Großbaustelle.

Parallel zu diesen Maßnahmen beteiligten sich die Schüler/innen der Jenaplan-Schule am Wettbewerb“ BAUT AUF UNS“ des Deutschen Kinderhilfswerkes, der Bausparkasse „Schwäbisch Hall“ und dem „Stern“. Im Namen der Schülersprecher/innen reichte die Schulsozialarbeiterin das Projekt „Pausentraum“ ein und wies auf das Besondere der Pausentraumidee hin, die Kindergartenkinder, Schüler aller Altersgruppen, Eltern, Erzieher und Lehrer seit Jahren gemeinsam träumen. Die Jury honorierte u.a. den angedachten Gestaltungsspielraum für spätere Schüler/innen-Generationen. Das Projekt Pausentraum wurde mit dem zweiten Platz und einem Preisgeld von € 5000 ausgezeichnet.

Die Freude war riesig, aber welcher Wunsch sollte erfüllt werden: grünes Klassenzimmer oder Backofen oder Anfänge vom Amphitheater? Die Schülersprecher berieten sich in ihren Gruppen. Schüler, Eltern und Arbeitskreis entschieden sich einhellig für den Bau eines Sitzkreises, der von allen Altersbereichen genutzt werden kann. Der Bau begann noch im Herbst 2004. Der Kindergarten unterstützte die Arbeiten mit seinen Geldern.

Am ersten Schultag im August 2004 erwartete alle ein wahrer Traum aus Hügeln, Tunneln, Baumhäusern, Rutsche und vorsichtig keimenden Rasenflächen – vorerst leider nur zum Anschauen.

Nach einer letzen Begehung Ende Oktober konnten der Sand- und Matschbereich, die gesponserte Pflasterfläche mit Tischtennisplatten und neuem Schuppen sowie die Rollerstrecken in Besitz genommen werden. Die Hügel samt den daraufstehenden Spielgeräten blieben gesperrt und alle sahen weiterhin geduldig dem Rasen beim Wachsen zu.

Die Schülersprecher diskutierten mit ihren Stammgruppen Regeln für die Schulhofnutzung, die nach dem Beschluss in jedem Raum ausgehängt wurden.
Gleichzeitig entwickelten sie Ideen für ein stimmungsvolles Eröffnungsfest mit Sternmarsch und selbstgedichtetem Spielplatz-Einweihungs-Song, einer kleinen Theateraufführung des Kindergartens, einer Rallye über den neuen Spielplatz, einem leckeren Büfett...

Die Reporter von „Radio Pausentraum“ besorgten Goldene Pflastersteine und „bastelten“ an einer CD, die zum Eröffnungsfest als Geschenk allen am Bau beteiligten Menschen überreicht werden sollte: Geldgebern und -spendern, Architekturbüro, Baufirmen und Pausenträumer/innen.

Am 1. Juni 2005 wurde endlich das Rote Band zerschnitten.

Auf beiden Schulhöfen ist im ersten Bauabschnitt aus kühnem Traum Wirklichkeit geworden. Vorbei ist das Träumen und Bauen noch lange nicht. Beim Anblick einiger Spielecken – gewollt „fertig-unfertig“ – ist das Kribbeln in kreativ-fleißigen Schüler-, Eltern- und Kollegenhänden durchaus gewollt und auf dem Planungspapier tummeln sich im zweiten Bauabschnitt in farbenfroher Zeichnung gefasst viele Pausentraumideen...